Diese Ausgabe PERSPEKTIVEN Spezial „US-Defizite: Eine neue Perspektive auf Wicksell“ beleuchtet die grundlegenden Gründe, warum die USA trotz Leistungsbilanz- und Haushaltsdefiziten weiterhin Kapital anziehen und Wohlstand schaffen können. Der schwedische Ökonom Knut Wicksell aus dem 19. Jahrhundert war der Erste, der auf die Folgen einer Differenz (oder eines Spreads) zwischen dem natürlichen Zinssatz und den Marktzinsen hinwies. Heute argumentieren wir, dass der entscheidende neue „Wicksell-Spread“ in der Differenz zwischen dem natürlichen Zinssatz und den Gesamtrenditen an den Kapitalmärkten liegt.
Zentrale Erkenntnisse
- Die Fähigkeit der USA, Kapital anzuziehen und Wohlstand zu schaffen, wurde historisch durch die zentrale Rolle des Landes in der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Wirtschaftsordnung begünstigt.
- Heute bieten die steigende Produktivität der US-Wirtschaft und die höhere Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) – unterstützt durch die technologische Dominanz der USA – einen weiteren überzeugenden Grund, in die Vereinigten Staaten zu investieren. Die Differenz zwischen dieser US-Eigenkapitalrendite und dem natürlichen Zinssatz stellt den neuen relevanten „Wicksell-Spread“ dar.
- Anhaltende Kapitalzuflüsse werden es den USA ermöglichen, zukünftigen Konsum und Investitionen vorzuziehen. Gleichzeitig erschweren sie politische Maßnahmen zur Verringerung der US-Defizite oder zur nachhaltigen Abschwächung des US-Dollars.