Wofür steht das „E“ in ESG?
Das „E“ in ESG steht für „Umwelt“ (Environmental) und bezeichnet die Auswirkungen, die ein Unternehmen auf die Umwelt hat.
Umweltverträgliches Investieren
Der Umweltfaktor bei ESG-Investitionen spiegelt die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf die Umwelt wider. Dazu gehören alle Ressourcen, die das Unternehmen nutzt, wie Wasser und Land, sowie alles, was es produziert, wie Verschmutzung und Abfall. Auch die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf Ozeane und Wildnisgebiete fallen darunter.
- Investoren müssen sich der Umweltschäden aus ethischer und finanzieller Sicht bewusst sein.
- Zu den kritischen Risiken, denen wir ausgesetzt sind, gehören steigende globale Temperaturen, extreme Wetterereignisse, Wasserknappheit, Bodendegradation und Verlust der Biodiversität sowohl an Land als auch in den Ozeanen.
- Die Reparatur dieser Schäden ist eine große Herausforderung, bietet aber auch zahlreiche Chancen.
Natürliche Ressourcen, die aus Ökosystemen hervorgehen, haben einen enormen und unersetzlichen Wert. Aus diesen natürlichen Gütern (wie Luft, Boden und Wasser) und Vorgängen (wie die Reinigung von Wasser durch den Wasserkreislauf oder die Bestäubung von Pflanzen durch Insekten) beziehen Menschen Ökosystemleistungen, die regenerative Erträge liefern und das menschliche Leben ermöglichen. Die regenerativen Erträge werden auf etwa 125 bis 140 Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt – mehr als das 1,5-fache des konventionell gemessenen globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Daher ist es wichtiger denn je, sich auf das natürliche Kapital und die damit verbundenen Ökosysteme zu konzentrieren. Die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten darauf treiben direkt die dreifache Krise voran, der unser Planet gegenübersteht: Umweltverschmutzung, Verlust der Biodiversität und Klimawandel.
Das Wissen, dass es einen Kompromiss über unkontrolliertes Wachstum und Nachhaltigkeit hinaus gibt, stammt aus der vorindustriellen Zeit. Allerdings begann das Ausmaß der durch die moderne Wirtschaft entstandenen Probleme in den 1960er Jahren ins öffentliche Bewusstsein einzudringen, unterstützt durch Bücher wie Rachel Carsons Silent Spring (1968), welches die Auswirkungen synthetischer Pestizide auf Wildtiere in den USA dokumentierte.
Im selben Jahr wurde der Club of Rome – ein Zusammenschluss aus Politikern, Beamten, Wissenschaftlern, Geschäftsleuten und Ökonomen – ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Herausforderungen des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums in einer Welt begrenzter Ressourcen zu schärfen. Der erste Bericht des Clubs of Rome, „The Limits to Growth“ (1972), erregte weltweit Aufmerksamkeit. Im selben Jahr fand die Konferenz der Vereinten Nationen (UN) in Stockholm das erste Mal statt. Bei dieser Versammlung diskutierten Staats- und Regierungschefs die Kompromisse und Herausforderungen bei der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung.
Die Kosten der Klimakrise
Das Bewusstsein, dass die Kohlenstoffemissionen aus mehr als einem Jahrhundert globaler Industrialisierung die Temperatur des Planten zu erhöhen begannen, führte 1993 zum Erdgipfel in Rio de Janeiro: Bei diesem kamen Führungspersönlichkeiten zusammen, um Pläne zum Umweltschutz zu diskutieren. Darauf folgten 1997 das Kyoto-Protokoll über Treibhausgasemissionen und 2015 das Pariser Klimaabkommen.
Es versteht sich von selbst, dass das Bewusstsein für unsere wachsende Umweltkrise zwar enorm zugenommen hat, aber bislang keine der ergriffenen Maßnahmen ausreichend ist, um viele der Krisen, denen wir gegenüberstehen, abzuwenden. Im Gegenteil: Das Ausmaß des Problems wächst.
Finanzberichterstattung zu Umweltfaktoren
Im Jahr 2018 veröffentlichte eine Gruppe von 420 Investoren die „Global Investor Statement to Governments on Climate Change“. Dies forderte die weltweiten Regierungen auf, mehr Maßnahmen zu ergreifen, um die Ziele der Treibhausgasreduktion im Rahmen des Pariser Abkommens zu erreichen und Investitionen des Privatsektors in den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu beschleunigen.
Auf Empfehlung der „Task Force on Climate-related Financial Disclosures“ (TFCD) des Financial Stability Board forderten Investoren zudem verbesserte Standards für klimabezogene Finanzberichterstattung – welche sich seitdem auch verbessert haben. Doch obwohl der Klimawandel die größte einzelne Bedrohung ist, der wir gegenüberstehen, wäre es ein Fehler anzunehmen, dass die Herausforderung umweltverantwortlicher Investitionen dort beginnt und endet.
Die Einführung der „Task Force on Nature-related Financial Disclosures“ (TNFD) im Jahr 2021 sollte eine umfassendere Sicht auf naturbezogene Risiken fördern. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass der Verlust der Biodiversität mit dem Klimawandel verbunden ist, aber die ausschließliche Betrachtung durch die Linse des Klimas andere sehr große und unmittelbare Risiken ignoriert.
Die TNFD wollte einen Rahmen schaffen, um „sich entwickelnde naturbezogene Risiken zu dokumentieren und zu handeln, um eine Verschiebung der globalen Finanzströme weg von naturnegativen hin zu naturpositiven Ergebnissen zu unterstützen“. Die Entwicklung des Offenlegungsrahmens durchlief mehrere Phasen, wobei die endgültigen Empfehlungen im November 2023 veröffentlicht wurden und freiwillige Offenlegungen 2024-25 eingeführt wurden. Weitere Entwicklungen werden voraussichtlich die Integration in verpflichtende regionale oder nationale Berichtssysteme und eine Ausweitung der Sektorrichtlinien beinhalten.
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